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Der Marmor-Tempel

Die buddhistische Tempelanlage Wat Benchamabophit Dusitwanaram Ratchaworawihan gehört zu den wichtigsten Bauten in Bangkok, trotzdem ist sie immer noch ein Geheimtipp. Der Tempel wird als aktives Kloster geführt. Besucher werden nur zwischen 8 und 17.30 Uhr zugelassen. Er steht im Dusit-Bezirk von Bangkok nahe des Dusit-Palastes und ist auf den Gründen des ehemaligen „Tempel der Prinzen“ errichtet worden. Sein Name bedeutet „Tempel des fünften Königs“. Der Bau wurde 1899 von König Chulalongkorn in Auftrag gegeben, für das Design verantwortlich ist sein Halbbruder Prince Naris, der zu seiner Zeit ein gefragter Künstler mit Affinität zum Italienischen war. Dem in Bangkok lebenden Architekten Mario Tamagno ist es zu verdanken, dass der Tempel den Beinamen Marmor-Tempel erhielt. Italienischer Marmor aus Carrara gehört zu den wichtigsten Bestandteilen der Anlage und wurde großzügig für den Bau verwendet. So ist seine gesamte Verkleidung aus weißem Marmor, die gold-glasierten Dachziegel aus China unterstreichen die strahlende Helligkeit des Bauwerks. Ein Hinweis für Fotografen: Die Reflexionen des Sonnenlichts auf den weißen Mauern machen es bei Schönwetter besonders schwierig, hier zu fotografieren.

Der Tempelraum

Der Tempelraum (Ubosot) ist der heiligste Raum eines thailändischen Wat. Seine Größe ist nirgendwo festgeschrieben, allerdings wird erwartet, dass er für mindestens 21 Mönche Platz bietet. Im Ubosot werden die wichtigsten Zeremonien der buddhistischen Mönche abgehalten. Dazu gehört auch die regelmäßige Bestätigung der 227 Ordens-Regeln, zu denen sich buddhistische Mönche verpflichten. Diese Zeremonie wird an jedem 15. Tag des abnehmenden Mondes und an jedem 15. Tag des zunehmenden Mondes durchgeführt und darf von Laien nicht besucht werden.
Der Ubosot hat vier Giebel, von denen der östliche den Haupteingang krönt, der von zwei marmornen Löwen, sogenannten Singhas, bewacht wird. Die Eingangstüren schmücken Reliefs von Devas, den Gott dienenden Göttern. Sie stehen nicht außerhalb des Rades der Wiedergeburt, sondern unterliegen denselben Regeln wie die Menschen. Die Verzierungen sind aus getriebenem Kupfer. Auf den Innenseiten der Türen finden sich goldene Malereien von Gottheiten auf schwarzem Lack, die gleiche Technik findet sich auch bei dämonischen Figuren der inneren Fensterläden. Die äußeren Wächterfiguren sind wieder aus Kupfer hergestellt. 1954 zeigte sich erneut die Vorliebe für italienische Kunstfertigkeit. Als die obere Hälfte der Fenster ersetzt werden musste, beauftragte Prinz Chula Chakrabongse florentinische Glasmaler für die thailändischen Motive.

Der Marmor-Tempel

Der Marmor-Tempel ©TK

Phra Rabiang – der Wandelgang

Marmor aus Carrara findet sich auch im Wandelgang des Wat wieder, der mit quadratischen Marmorplatten ausgelegt wurde. Mit seinen Proportionen entspricht der Wandelgang dem Ubosot. Sein Dach ist wie das des Ubosot mit goldgelben chinesischen Ziegeln gedeckt.
Der Wandelgang ist auch eine Galerie für 52 steinerne sowie bronzene Buddha-Statuen, die im Auftrag von König Chulalongkorn von Prinz Damrong Rajanubhab aus aller Welt zusammengetragen worden waren. Darunter auch Buddhas aus Japan und Rangun. Alle Figuren mussten in ihrer Größe identisch sein, sich aber in ihrem Ausdruck voneinander unterscheiden. Es war das Bestreben des Königs, eine vollständige Ikonographie zusammenzutragen. So gehören z.B. ein sitzender Buddha aus der Chiang-Saen-Epoche oder ein schreitender Buddha, der als Symbol des Sukhothai-Stils gilt, der Sammlung an. Aber Buddha-Statuen wurden nicht als Kunstobjekte geschaffen, sondern sie sollten den Betrachter belehren und im besten Fall zu Erleuchtung verhelfen. Dennoch mussten die Statuen, die König Chulalongkom in seine Sammlung aufnahm, auch künstlerischen Ansprüchen genügen.
Jede Darstellung eines Buddhas birgt eine Botschaft in sich. Deshalb unterscheiden sie sich auch in ihrer Handhaltung, den sogenannten „Mudras“, und ihren Posen, die strengen buddhistischen Codes zugeordnet sind. Die offene rechte Hand, die dem Betrachter entgegengestreckt wird, ist eine Geste der Güte. Liegt die rechte Hand auf dem Knie eines sitzenden Buddhas und berührt mit den Fingerspitzen die Erde, steht dies für die Erdberührung bzw. für Verbundenheit mit der Erde. Für gewöhnlich werden Buddhas auf dem Boden sitzend, schreitend, liegend oder stehend abgebildet.
Einige der 52 Buddha-Statuen sind Originale, andere wurden von Laien kopiert. Eine Buddha-Statue zu erschaffen galt als noble Tat, die sich positiv auf die nächste Wiedergeburt auswirken konnte. Für jede Statue gibt es Begleittafeln, die den Besuchern Auskunft über die Echtheit der Stauten sowie über den jeweiligen Stil der Statuen geben. Der letzte Buddha wurde im Todesjahr von König Chulalongkorn aufgestellt. Die wichtigste der Buddha-Statuen, der Phra Phutthachinnara, steht allerdings in der Tempelhalle. Die aus Bronze gegossene Statue ist fast zwei Meter breit und bewacht auch die unter ihr ruhende Asche des Königs.

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