Skip to main content

Erawan Schrein in Bangkok

Der Erawan-Schrein in Bangkok wird sowohl kulturell als auch spirituell interessierte BesucherInnen in seinen Bann ziehen. Dieses viel besuchte Heiligtum befindet sich in einem der beliebtesten Einkaufsteile der thailändischen Hauptstadt, Patumwhan, an der Kreuzung Ratchaprasong in unmittelbarer Nähe des Central World Plazas.

Thailänder verbinden hier idealerweise Einkaufsbummel und religiöses Ritual. Doch auch Menschen, die konkrete Wünsche haben, zieht es zu dem Schrein, welcher sich, gleichwohl er dem Hindu-Gott Brahma zu Ehren errichtet wurde, größerer Beliebtheit erfreut als viele rein buddhistische Stätten.

Dies liegt zweifellos an den mysteriösen Ereignissen, welche eng mit seiner Entstehungsgeschichte verknüpft sind. Im Jahre 1956 begann die thailändische Regierung an derselben Stelle mit der Errichtung des luxuriösen Erawan-Hotels. Bereits in der Anfangsphase kam es zu so zahlreichen Todes- und Unglücksfällen, dass die Arbeiter sich weigerten, mit dem Bau fortzufahren. Ursache für diese Reaktion ist der in der thailändischen Mentalität tief verwurzelte Glaube an den Erdgeist Phra Phum, welchen es zu besänftigen gilt, wenn man mit der Errichtung eines neuen Gebäudes beginnt.

Auf der Suche nach einer Lösung des Problems wurden berühmte Sterndeuter, darunter Luang Suwicharnpat befragt. Letzterer stellte fest, dass man an einem astrologisch ungünstigen Tag mit dem Bau des Hotels begonnen hatte. Um den Erdgeist friedlich zu stimmen, schlug er sowohl die Errichtung des Erawan-Schreins als auch die Aufstellung eines Geisterhäuschens vor.

Die Tatsachen scheinen diese Legende zu bestätigen, denn nach dem entsprechende Maßnahmen ergriffen wurden, verlief alles reibungslos und das neu errichtete Erawan-Hotel konnte über drei Jahrzehnte lang seine unangefochtene Stellung als erstklassiges, international anerkanntes Luxushotel halten, bevor es im Rahmen einer Modernisierungsmaßnahme im Jahre 1991 von dem moderneren Grand Hyatt Erawan Bangkok ersetzt wurde.

Erawan Schrein in Bangkok

Erawan Schrein in Bangkok ©TK

Seit dem Bau des ursprünglichen Erawan-Hotels wacht nunmehr Brahma, der Gott der Schöpfung, mit seinen vier Köpfen sowohl über das Grundstück als auch über den gesamten Bezirk. Seine Haltung ist entspannt und in seinen acht Händen hält er sowohl für die indische Mythologie als auch für die buddhistische Religion symbolträchtige Objekte. Dazu zählt der Spiegel Darpana, welcher dem Betrachter einen Blick in das Atman, die universelle Seele, ermöglicht, der aus 108 Perlen bestehende Rosenkranz, mit welchem man die Zeit zählen kann, das Buch des Wissens in Form der heiligen Veden sowie das Muschelhorn, dessen Schall Feinde in die Flucht schlagen kann. Auf der anderen Seite umfasst der Gott das Rad der Zeit, auch Chakra genannt, den Stab des Lichts und der Stärke Brahma Danda sowie den heiligen, mit Weihwasser gefüllten Krug Kalasha. Mit der achten Hand formt Brahma das Jnana Mudra, welches für Lehre und Weisheit steht.

Die vergoldete Statue wird von einem weißen mit bunten Spiegeln verzierten Pavillon in thailändischem Stil geschützt.
Das Erwan-Heiligtum zieht inzwischen Menschen aus aller Welt an, die hier die Erfüllung ihrer Anliegen erhoffen. Gesundheit, Liebe, Erfolg und Reichtum zählen zu den gängigen Wünschen, die an den Gott der Schöpfung herangetragen werden. Thailänder lassen es sich nicht nehmen, auch für Glück in dem von ihnen heiß geliebten Lotteriespiel zu bitten.

Dabei variieren die Formen der Verehrung je nach Größe und Bedeutung des jeweiligen Anliegens sowie den persönlichen finanziellen Verhältnissen.

Allein ein ehrerbietiger Gruß im thailändischen Stil mit vor der Brust oder dem Kopf zusammengelegten Händen, auch Wai genannt, stimmt den Gott gnädig. Dazu sollte man seine Bitte mit einer vorgegebenen Gebetsformel einleiten. ThailänderInnen bekommen in der Regel einen Zettel mit den feststehenden Mantras ausgehändigt. Interessierte Touristen finden diesbezüglich sicherlich Rat an den Verkaufsständen rund um den Erwan-Schrein, welche sich auf den Verkauf von Opfergaben spezialisiert haben. Dazu zählen unter anderem, grüne Kokosnüsse, Bananen, Räucherstäbchen und Blumengirlanden. Selbst wer nicht religiös motiviert ist, sollte sich allein aufgrund des Erlebniswerts und der ihm innewohnenden Ästhetik einmal an einem solchen Ritual, welches fester Bestandteil des thailändischen Brauchtums ist, beteiligen.

Beachten sollte man in diesem Zusammenhang jedoch unbedingt die Anzahl der dargebrachten Gaben, da diese ebenfalls symbolträchtige Bedeutung haben und bei unbedachter Auswahl Unglück statt Glück verheißen. Möchte man einen Wunsch äußern, so ist die Zahl sieben ausschlaggebend. Man sollte also sieben Räucherstäbchen und sieben Wachskerzen erwerben. Beliebte Opfergaben sind auch kleine, aus Bananenblättern angefertigte Kästchen, welche Blumen oder Zuckerrohr-Würfel enthalten. Eine etwas kostspieligere Variante ist die Huldigung des Gottes durch die Bezahlung der hierfür bereitstehenden traditionellen Musiker und Tänzer.

Wer mit einem besonderen Anliegen kommt, sollte zudem gewisse Zeiten einhalten.Wünsche sollten vorzugsweise am Abend vorgebracht werden. Möchte man dem Gott nur seine Ehrerbietung erweisen, so eignen sich vor allem die Morgen-und Abendstunden, jeweils zwischen sieben und acht Uhr.

Einen guten Überblick über das farbenfrohe Schauspiel hat man von dem darüber liegenden Skywalk, welcher die unterschiedlichen Skytrain-Stationen miteinander verbindet und ausreichend Möglichkeit bietet, die faszinierenden Tanz-und Musikdarbietungen zu beobachten.
Der betörende Duft von Jasmin und Incense, die fremdländischen Klänge, die graziösen Tanzeinlagen sowie das feierliche Licht von unzähligen Kerzen und Räucherstäbchen machen den Besuch des Erwan-Schreins zu einem ganzheitlichen sinnlichen Erlebnis und bieten nicht zuletzt einen tiefen und authentischen Einblick in Kultur und Brauchtum des Gastlandes.