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Jim-Thompson Haus in Bangkok

In der Nähe tobt der Straßenlärm, die verglasten Wolkenkratzer der thailändischen Finanzwirtschaft glänzen um die Wette und die Skytrain rast in atemberaubender Geschwindigkeit vorbei. In dieser futuristischen Umgebung des Bangkoker Stadtteils Pathum Wan wirkt das Jim-Thompson-Haus wie eine Oase aus einer längst vergangenen Zeit. In einem dschungelartigen Garten stehen sechs traditionelle Häuser aus thailändischem Teakholz. Die Anlage geht auf den amerikanischen Textilunternehmer Jim Thompson zurück. Heute sind in den Häusern Museen untergebracht. Der Besucher bestaunt wertvolle Kunstschätze aus dem südostasiatischen Raum. Freilich sind auch das Leben und das rätselhafte Verschwinden Thompsons Themen der Ausstellung.

Die Bezeichnung Jim-Thompson-Haus ist eigentlich irreführend, weil sich auf dem Gelände neben dem Hauptgebäude fünf weitere Häuser befinden. Thompson hat diese aus traditionellem Teakholz errichteten Bauten in der der alten Hauptstadt Ayutthaya entdeckt und gekauft. Die Häuser wurden im Jahr 1958 abgetragen und mitten in Bangkok neu aufgebaut. Schon zu diesem Zeitpunkt waren einige der Häuser mehr als 100 Jahre alt. Bis zum Tag seines rätselhaften Verschwindens im Jahr 1967 wohnte Thompson in dem Haupthaus. Erst in späteren Jahren wurde es in ein Museum umgewandelt.

Die Ausstellung in dem Haus informiert über das Leben Thompsons. Die Wirrnisse des Zweiten Weltkriegs führten dem Amerikaner nach Thailand, wo er eine neue Heimat fand und sein Leben der Seidenwirtschaft verschrieb. Er machte die thailändische Seide weltweit bekannt und baute die Textilwirtschaft des Landes auf. Sein Tod gibt bis heute Rätsel auf. Im Jahr 1967 kehrte er von einem Spaziergang in den Cameron Highlands in Malaysia nicht zurück. Ist er untergetaucht? Hat er Selbstmord begangen? Wurde er ermordet? Hat ihn gar eine Raubkatze gefressen? Man weiß es nicht und wird es wohl niemals erfahren. Seine Leiche wurde nie gefunden. Es halten sich aber hartnäckige Gerüchte, Thompsons Verschwinden könnte mit seiner früheren Tätigkeit für den amerikanischen Geheimdienst in Verbindung stehen.

Jim-Thompson Haus in Bangkok

Jim-Thompson Haus in Bangkok ©TK

Jim Thompson war nicht nur einer der bekanntesten westlichen Ausländer in Thailand. Er war und ist bei der einheimischen Bevölkerung sehr beliebt und wird von manchen sogar als Held verehrt. In seinen Textilfabriken achtete er nämlich stets auf die Rechte der Arbeiter, während andere Industrielle wie Sklaventreiber agierten. Er ermöglichte Frauen das Arbeiten zu Hause, wodurch sich viele thailändische Familien einen bescheidenen Wohlstand aufbauen konnten.

Das Jim-Thompson-Haus ist aber auch für seine Sammlung kostbarer Kunstgegenstände bekannt. Ein Gang durch die Ausstellung gleicht einer Reise durch die Kunst- und Kulturgeschichte Südostasiens. Zu sehen sind alte Möbel, feines Porzellan aus China, kunstvolle Seidenbilder, bemalte Vasen und religiöse Gegenstände aus thailändischen Tempeln. An der Decke hängen Kronleuchter, die im 18. und 19. Jahrhundert im Bangkoker Königspalast glitzerten. Viele der Kunstgegenstände kaufte Thompson zu Lebzeiten. Er war nämlich ein begnadeter Kunstsammler. Ein Besuch der Museen ist also sehr empfehlenswert. Leider finden viele Bangkokbesucher aufgrund der vielen anderen Attraktionen der Stadt keine Zeit für einen Ausflug zum Jim-Thompson-Haus. Die meisten Gäste sind daher Touristen, die schon zum zweiten oder dritten Mal in Bangkok ihren Urlaub verbringen.

Heute ist das Jim-Thompson-Haus übrigens in Besitz einer im Jahr 1976 gegründeten Stiftung, die Thompsons Erbe verwaltet. Für Touristen ist das Haus außerdem eine willkommene Abwechslung zum sonst so lauten Trubel der thailändischen Hauptstadt. Auf dem Areal regieren Ruhe und Gemütlichkeit. Mitten in dem Dschungelgarten ziehen in einem Teich unter den Schatten spendenden Blättern exotischer Pflanzen bunte Fische ihre Kreise. Im Restaurant stehen Wasserschalen mit schwimmenden Lotusblüten auf den Tischen. An der Bar serviert der Kellner frischen Mangosaft. Es duftet nach südostasiatischen Gewürzen. Die Häuser schimmern rötlich in der Sonne. Die Farbe stammt von dem Konservierungsmittel, das beim Bau traditioneller thailändischer Holzhäuser verwendet wird. Wie sehr viele Gebäude in Thailand stehen auch diese Häuser auf Stelzen. Es handelt sich um eine Vorsichtsmaßnahme, weil es in Thailand immer wieder zu schweren Überschwemmungen kommt.

Die Besucher des Jim-Thompson-Hauses werden gebeten, sich an einige Regeln zu halten. Das Fotografieren der Ausstellungsgegenstände ist untersagt. Bei Betreten der Häuser werden die Gäste ersucht, die Schuhe auszuziehen, wie es in Thailand üblich ist.

Das Jim-Thompson Haus ist leicht zu erreichen. Man fährt mit der Skytrain bis zur Station „National Stadium“. Die Anlage befindet sich in unmittelbarer Nähe der Bahnstation. Wer mit dem Taxi fährt, sollte das Fahrtziel „Jim-Thompson-Museum“ nennen. Es gibt in Bangkok nämlich auch ein Seidengeschäft, das sich „Jim-Thompson-Haus“ nennt. Dieses befindet sich aber in einem anderen Stadtteil.

Geöffnet ist das Jim-Thompson-Haus täglich von 9 bis 17 Uhr. Für den Eintritt bezahlt man 100 Baht (umgerechnet 2,5 Euro). Es finden auch Führungen in englischer Sprache statt. Das eingenommene Geld dient nicht nur der Erhaltung der Anlage. Ein Teil des Eintrittspreises kommt einer Schule für blinde Kinder zugute.