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Raketenfest in Yasothon, Thailand

Beim früheren Besuch ethnischer Festivals in Zentralthailand fiel des Öfteren unter den anwesenden Globetrottern, Journalisten und abenteuerlustigen Traveler der Begriff „Raketenfest in Yasothon“. Natürlich macht sowas neugierig und eine erste Recherche zum Standort ergab, dass sich Yasothon im äußersten Nordosten des Landes, nahe der laotischen Grenze befindet.

Das Fest findet alljählich zum Ende der trockenen Jahreszeit im Monat Mai statt, es läuft über 3 volle Tage und gehört zu den traditionellen alljährlichen Festivals im Königreich Thailand.

Es gibt in der Provinzhauptstadt Yasothon nur ein Hotel mit etwas Standard, schon bei den Vorbereitungen für diesen Trip zeichneten sich kleinere Schwierigkeiten ab, doch diese letzten Planungshürden konnte doch genommen werden.

Für die 540 Kilometer lange Strecke nach Yasothon hatte ich mir einen Wegeplan ausgearbeitet und einen Leihwagen vorbestellt.
Die Abfahrt in Bangkok erfolgte am frühen Donnerstagmorgen, über Saraburi durch das Flachland und dann hinauf auf das Korat Plateau bis zur Stadt Khon Kaen verlief unser Weg über Hauptverkehrsstraßen, Thais nennen diese Route „Mitthaphap“. Wasserbüffel in den Feldern am Wegesrand lösten nach und nach Ackermaschinen ab, es ging dann durch Kalasin bis nach Suvannaphum in der Provinz Roi-Et. Die lange Trockenzeit hier konnten man den Äckern und Feldern ansehen, der Ackerboden zeigte tiefe Risse und die Bewässerungsgräben waren leer. Rund eine Stunde später erreichten wir Yasothon und fanden buddhaseidank unser Hotel gleich hinter dem Ortseingang.

Gleich nach dem Check in und einer Dusche zogen wir in den nahen Ortskern und beobachteten Handwerker bei der Komplettierung prunkvoller Paradewagen für den samstäglichen Umzug. Entlang der gesamten Hauptstraße des Ortes, welche für den Verkehr komplett gesperrt war, zogen sich Bühnen mit beidseitigen schrank- bis plakatwandgroßen Lautsprecherwänden hin. Hier war man mit Fleiß dabei, alles für den Probelauf am Abend vorzubereiten. Dieser bestand aus Tanzauftritten der Raketenteams auf ihren jeweiligen Bühnen zu Musik aus der Retorte, der Ort bebte auf und wir wurden überall zum Mitfeiern eingeladen. Wir feierten, tanzten und tranken mit den freundlichen Leuten bis spät in die Nacht.

Freitagmorgen ging es zur offiziellen Eröffnung des diesjährigen „Bun Bang Fai“, wie man hier das Raketenfest nennt. Man feiert es, so lernten wir, um die Götter zu begeistern, den von der Dürrephase gebeutelten Bauern nun reiche Regenfälle zu bescheren, um die neue Reisanbauphase günstig zu beeinflussen. Auf jeder der ingesamt rund 60 Bühnen tanzten kostümierte Leute ausgelassen und alkoholselig zu lauter Musik und sowohl die Bewohner der weiten Umgebung als auch die paar angereisten Touristen tanzten auf der Hautstrasse dazwischen mit. Eine Riesengaudi war das!

Raketenfest in Yasothon

Raketenfest in Yasothon ©TK

Der Samstag begann mit einer kilometerlangen Parade aus Dutzenden von Kapellen, vielen hunderten von Tänzerinnen und etlichen Prunkwagen. Wir durften den Trubel von der Bühne unserer neuen Freunde, dem „We love Yaso“-Raketenteam, aus beiwohnen. Gefolgt wurde die Parade von einer weiteren Phase ausgelassener Partygelage, welche sehr trefflich durch die zahllosen Tanzmaiechen bereichert wurden. Erst nach Mitternacht bescherte ein Stromausfall der Party ein ungeplantes Ende.

Der Höhepunkt des Raketenfestes ist natürlich das Raketenschiessen am Sonntag. Auf einer großen Wiese im Stadtpark „Phaya Thaen“ stehen Abschussrampen von zwölf Metern Höhe, um die gewaltigen vier Zentner schweren Raketen abzufeuern. Gipfelhöhen über 10 Kilometer werden erreicht und in den Rüstpausen zwischen den Starts der großen Raketen, werden kleinere, selbstgebastelte 10 kg Raketen abgefeuert. Bewertet wird die Schönheit der Flugbahn und Punkterichter sind die Honorationen des Ortes in einem Sandsackbunker nahe den Startrampen. Das Publikum muss einigen Abstand wahren und das Militär hilt mit freundlichen Aufpassern aus.

Verliererteams müssen ein Suhlbad in Schlammgruben nehmen, Gewinnerteams winken neben Geldpreisen auch Fernsehruhm, denn das Spektakel wird landesweit übertragen. Auch für uns war dies ein gelungener Abschluß eines sehr angenehmen Trips, hierher kamen wir sicher nicht zum letzten Male!