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Royal Barges Nationalmuseum Bangkok

Das Royal Barges Nationalmuseum befindet sich am Khlong Bangkok Noi, einem im westlichen Teil der thailändischen Hauptstadt gelegenen Kanal. Dort sind, in einer Bootshalle direkt vor der Arun Amarin-Brücke, die königlichen Barken untergebracht. Dabei handelt es sich um schmale, mit kunstvollen Verzierungen ausgestattete Boote, die früher für Zeremonien und Prozessionen auf dem Fluss Verwendung fanden. Die Flotte umfasst insgesamt 51 Boote, besichtigt werden kann jedoch nur ein Bruchteil davon. Bei ganz hohen Feierlichkeiten werden die Boote auch heute noch eingesetzt, allerdings muss es dafür einen gebührenden Anlass geben, weshalb derartige Prozessionen nur in sehr unregelmäßigen Abständen zu beobachten sind. Feierlichkeiten, für die die wertvollen Boote ausgefahren werden, sind zum Beispiel königliche Geburtstage oder Thronjubiläen.

Die königliche Flotte hat eine lange Tradition, die bis in die Ayutthaya-Ära, also bis ins 18. Jahrhundert, zurückreicht. Während dieser Zeit fanden Reisen bevorzugt per Boot auf dem Wasser statt, eine Möglichkeit, die nicht nur die königliche Familie nutzte, sondern auch das einfache Volk. Allerdings wurden die Barken darüber hinaus im Krieg eingesetzt, wodurch ihr kunstvolles Äußeres stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. In der Mitte des 20. Jahrhunderts begann man damit, die beschädigten Barken aufwendig zu restaurieren und sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Alle Boote, die Besucher heute im Royal Barges Museum besichtigen können, zeichnen sich durch reich verzierte, bunt bemalte Holzschnitzereien aus. Das prachtvollste Ausstellungsstück heißt Suphannahong und wurde im Jahr 1911 gefertigt. Suphannahong, was übersetzt „Goldener Schwan“ bedeutet, war die persönliche Barke des Königs und dementsprechend prunkvoll wurde sie auch ausgestattet. Den Bug der insgesamt 46 Meter langen Barke ziert ein geschnitzter, mythologischer Schwanenkopf von erstaunlicher Größe, der sich stolz und kampfbereit zum Himmel empor reckt. Das königliche Boot wurde aus einem einzigen Teakbaumstamm gefertigt, was ihm den Status des größten Einbaums der Welt einbringt. Die Barke ist mit viel Gold und unzähligen farbenfrohen Glassplittern verziert. Aufgrund ihres enormen Gewichts kann sie nur durch die Hilfe von mindestens 50 Ruderern in Bewegung gesetzt werden.

Royal Barges Nationalmuseum Bangkok

Royal Barges Nationalmuseum Bangkok ©TK

Oft sind die Buge der Boote auch mit Motiven aus der hinduistischen Tradition oder der buddhistischen Mythologie verziert. Bevorzugte Abbildungen aus diesen Bereichen sind etwa die mythische Seeschlange, „naga“ genannt, oder Vishnus Vogelreittier, die „garuda“.
Die Schlange ist zum Beispiel das zentrale Element bei der zweiten königlichen Barke, die im Museum zu sehen ist. Das 45 Meter lange Boot trägt den Namen Ananta Nagaraj und beeindruckt mit einem Schlangenkopf in siebenfacher Ausfertigung. Im Zuge der letzten zeremoniellen Prozessionen beherbergte die Ananta Nagaraj eine heilige Buddha Statue. Auch das aus der Zeit Ramas V. stammende Boot Anekajati Bhujonga – das dritte große Boot – ist mit Schlangen verziert.
Da die Schlange aber unter anderem als Symbol des Wassers gesehen wird, ist ihr Abbild auch noch auf vielen der kleineren Barken zu finden.

Die kleineren Barken mögen auf den ersten Blick weniger beeindruckend erscheinen, aber gerade sie sind oft besonders detailreich verziert. Der Mythologie entnommene Fabelwesen, wie beispielsweise gehörnte Drachen oder tatsächlich existierende Tiere, wie Tigerköpfe, kann man als perfekte Schnitzarbeiten ebenso bewundern wie Göttergestalten. Teilweise sind die Boote auch mit Elementen ausgestattet, die an kriegerische Auseinandersetzungen erinnern, wie zum Beispiel Kanonen.

Ein Besuch des Royal Barges Nationalmuseum ist nicht immer möglich, da Besucher nur an ausgewählten Tagen eingelassen werden. Im Durchschnitt können bis zu vierzehn Boote besichtigt werden, es kann jedoch durchaus vorkommen, dass weniger Barken ausgestellt sind, ohne dass dies vorher in irgendeiner Form angekündigt wird.
Alle Ausstellungsstücke wurden in penibler Kleinstarbeit restauriert und zahlreiche Restaurateure sind auch heute noch damit beschäftigt, Unregelmäßigkeiten auszugleichen, damit die eindrucksvollen Bootskunstwerke noch viele weitere Jahre in ihrem ganzen Glanz erstrahlen. Besucher haben während der Besichtigung der Sehenswürdigkeiten oft das Glück, dass sie Restaurateure bei der Arbeit antreffen und auf diese Weise ihr faszinierendes Handwerk beobachten können.

Normalerweise darf in den Museen Bangkoks weder gefilmt noch fotografiert werden, aber im Royal Barges Nationalmuseum ist beides gestattet. Wer jedoch seine Erinnerungen auf diese Weise festhalten möchte, muss einen kleinen Geldbetrag bezahlen.

Die bunten Barken sind eindrucksvolle, sehenswerte Denkmäler der thailändischen Kultur und sollten bei einem Besuch Bangkoks auf jeden Fall ins Besichtigungsprogramm mitaufgenommen werden.